Apr
24

In dieser Ausgabe meiner Kolumne möchte ich einmal den Versuch wagen, Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, meine Definition von Tanz und Tänzern darzustellen und gleichzeitig zu hinterfragen, wann und wie man sich als Tänzer bezeichnen kann. Ganz sicher wird es eine heftige Diskussion in der Orientaltanzszene hervorrufen, auf die ich schon jetzt gespannt bin. Ich hoffe sehr, einige unter Ihnen zum echten Nachdenken anzuregen und eventuell bewegen zu können, das Wagnis einzugehen, einmal aus meinem Fenster auf den Tanz zu blicken.

Okt
19

Anlässlich des Ahlan Wa Sahlan Festivals in Kairo hatte ich die Gelegenheit mit mehreren, international anerkannten Koryphäen des Orientalischen Tanzes zu sprechen. In unseren Gesprächen ging es oft um die Entwicklung des Orientalischen Tanzes in Deutschland seit den 1990er Jahren. Ehemals Vorreiter in Technik, Gefühl und Motivation für den Tanz ist Deutschland mit ans Ende der Liste gerutscht. Wenn ich mir den Standard der Mittelstufe von Laien und Amateuren in Südamerika ansehe, dann muss ich sagen, dass dieses Niveau bei nur wenigen sehr weit fortgeschrittenen Schülerinnen in Deutschland zu finden ist. Neben den allgemein rückgängigen Schülerzahlen wurde auch das Thema „Lehrer“ sehr heiß diskutiert. Alle kamen zum gleichen Konsens: es gibt derzeit einfach zu viele „Lehrer“ für die Anzahl der Schüler! So ist es kaum verwunderlich, dass manche Klassen, Workshops oder Seminare für Schüler aus Mangel an denselben nicht stattfinden, da sich diejenigen, die es betrifft, nicht mehr als Schüler sondern als Lehrer sehen.

Jun
21

Superlative  oder Super-Latife?

Wie die Übersteigerung auf die (Selbst-)Wahrnehmung der Schüler wirkt ...

Kürzlich saß ich mit einer Kollegin zusammen und sprach über Namensfindungen, dazugehörige Texte und die Nutzung von Superlativen in diesem Kontext. Wir waren sehr schnell derselben Meinung, es sei besser, durch Taten zu glänzen als durch schöne Worte. Wir waren auch schnell einer Meinung, dass uns beiden die Werbung anderer Tänzer und Tänzerinnen irrsinnig macht, die permanent mit Superlativen um sich schmeißen, um damit ihre Kurse zu füllen. 

Apr
29

Vorab: diese Kolumne erscheint nicht in der TanzOriental.

Soeben wurde mir eine E-Mail weitergeleitet mit einem Hinweis auf ein bei youtube eingestelltes Video, das ein Zusammenschnitt einer "Show" wiedergibt.

In dieser Mail stand auch, dass aufgrund des großen Erfolges dieser "Show" dieselbige nochmals aufgeführt würde.

Todesmutig klickte ich auf den Link und versuche mich seither immer noch vom Schock zu erholen. Ich dachte wirklich, schon alles gesehen zu haben, aber das ist nun der Gipfel der Unverschämtheit, die man einem zahlenden Publikum zugemutet hat!

 

Dez
01

Eine Frage, die für niemanden leicht zu beantworten ist und auch nicht pauschal beantwortet werden kann. Dennoch gibte es Kriterien für eine "Ende der aktiven Auftrittskarriere", die als Indizien für ein "bis hierhin und nicht weiter" gelten können.

Sep
02

Kürzlich wurde ich Zeuge eines Gesprächs mehrerer Schülerinnen über Teilnehmerzahlen im Workshop, speziell das Verhältnis zwischen Preis und Leistung sowie Raumgröße und Personen. Oh, das war sehr interessant, denn ganz offensichtlich gingen hier Wunsch- und Realitätsdenken weit auseinander. Während Schülerin A sich recht positiv über die großzügigen Räumlichkeiten bei verhältnismäßig geringer Beteiligung am Workshop äußerte, meinte Schülerin B, es sei viel zu eng und damit auch viel zu teuer gewesen.

Wie kommen die beiden Schülerinnen zu so unterschiedlicher Meinung? Sei waren doch ganz offensichtlich im selben Workshop (bekannte Dozentin, großes Studio, beste Lage, 130m², 28 Personen)...

Feb
01

– oder: Günter, mein innerer Schweinehund...

Es ist mal wieder soweit... Es ist Zeit loszufahren, um rechtzeitig zum Unterricht vor Ort zu sein. Und schon meldet sich Günter: Denk‘ mal an den doofen Feierabendverkehr! Denke auch an den tollen Film, den du schon lange im Kino oder Fernsehen sehen wolltest! Dein Partner würde dich eigentlich auch gerne mal wieder länger als nur zwischen Tür und Angel sehen! Es regnet aus Kübeln – hast du das schon gesehen? Oje – willst du dir das Training jetzt wirklich antun?

Dez
01

In der letzten Kolumne hatte ich erwähnte, dass das Thema "Warm-up" einer Extra-Ausgabe bedarf -  genau dort möchte ich diesmal ansetzen.

Nach meinen Beobachtungen gibt es bezüglich Warm-up offenbar zwei "Lager":

  • Diejenigen, die sagen "Natürlich bereite ich meine Schülerinnen mit einem vernünftigen Warm-up gewissenhaft auf die körperliche Arbeit vor."
  • Diejenigen, die sagen "Nein, sowas wollen meine Frauen nicht!"


Da fällt mir als Norddeutschem nur ein: Der Fisch stinkt immer zuerst am Kopf.
Pardon für diesen flappsigen Ausdruck, doch er zeigt, was ich meine: Will die Führung nicht, will der Rest auch nicht.

Sep
01

In der letzten Ausgabe habe ich meinen Standpunkt zum Thema "Ausbildung, Fortbildung, Bildung überhaupt... Wohin führt das alles?" beschrieben. In den darauffolgenden Wochen und durch viel Austausch mit anderen Lehrenden beim 1. Symposium der Tanzpädagogik kristallisierte sich schnell heraus, dass dieses Thema noch eines weiteren Artikels bedarf, der aber noch profunder ansetzt. Daher möchte ich in dieser Ausgabe einmal meine Sichtweise zum Thema "Unterrichten" darstellen.

Jun
01

Orientalischer Tanz ist ein Improvisationstanz - Punkt. Will ich ihn als Hobby betreiben oder in orientalischen Ländern tanzen, wäre eine wirkliche Ausbildung sicher herausgeschmissenes Geld. Dort wird mehr Wert auf den Ausdruck, die Musikinterpretation und das "gewisse Etwas" gelegt. Das ist auch gut so!

Wir leben jedoch in Europa — in den meisten Fällen sind wir Europäischer Herkunft und haben das so viel beschworene "Ägyptische Gefühl" wahrlich nicht mit in die Wiege gelegt bekommen. Zu glauben, dies könne man bei Ägyptern oder Orientalen überhaupt (er)lernen, ist mehr als anmaßend und aus meiner Sicht schlichtweg blau-äugig.